browser icon
You are using an insecure version of your web browser. Please update your browser!
Using an outdated browser makes your computer unsafe. For a safer, faster, more enjoyable user experience, please update your browser today or try a newer browser.

Showdown für Polen – Wichtigstes Spiel der Geschichte

Posted by on 15. Juni 2012

Breslau (dpa) – Für den Noch-Bremer Sebastian Boenisch ist es ein «echtes Finale», für Dortmunds Robert Lewandowski das «vielleicht wichtigste Spiel in der Fußball-Geschichte des Landes». Das EM-Duell mit Tschechien am Samstag in Breslau sorgt in Polen für kollektiven Nervenkitzel.

Eugen Polanski im Nationalmannschaftsdress (MRZ 10.10.2011)

Mit einem Sieg stünde die heimische Nationalmannschaft erstmals seit den 80er Jahren im Viertelfinale eines großen Turniers. Deshalb sagte auch Trainer Franciszek Smuda am Freitagabend: «Das ist vielleicht das wichtigste Spiel meines Leben.» Schon ein Unentschieden würde den Co-Gastgeber aus allen Träumen von einer märchenhaften Erfolgsstory reißen. Smuda hofft auf ein Happy End: «Wir werden alles versuchen, diese Chance zu nutzen.»

Nach zwei Unentschieden in Gruppe A gegen Griechenland (1:1) und Rußland (1:1) steht das Team um das BVB-Meistertrio Lewandowski, Lukasz Piszczek und Jakub Błaszczykowski gewaltig unter Druck, auch wenn der Mainzer Eugen Polanski versicherte: «Der Druck vor dem Eröffnungsspiel gegen Griechenland war größer». Eine Umfrage in Polen, wonach mehr als 80 Prozent der Landsleute von einem Sieg ausgehen, macht die Sache nicht einfacher. Doch mit der hohen Erwartungshaltung können die Profis nach Einschätzung des künftigen Kölners Adam Matuschyk mittlerweile besser umgehen als noch im EM-Eröffnungsspiel: «Wir haben gegen die Russen bewiesen, daß wir diesem Streß standhalten können.»

Unabhängig vom Auftritt der in der Gruppe führenden Russen (4 Punkte) gegen Griechenland (1) können die Polen im Duell mit den Tschechen (3) aus eigener Kraft das Viertelfinale erreichen. Allerdings dürfte die Unterstützung des eigenen Anhangs diesmal weniger lautstark ausfallen, als noch in den ersten beiden Partien im brodelnden Warschauer Nationalstadion. In der nur eine Autostunde von der tschechischen Grenze entfernten Breslauer Arena werden fast zehntausend gegnerische Fans erwartet.

Nicht nur deshalb geht Tschechiens Abwehrspieler Michal Kadlec zuversichtlich in die Partie. «Wir sind in einer sehr guten Situation, der Druck liegt bei den Polen. Mehr hätten wir uns nach dem 1:4 gegen Rußland nicht wünschen können», sagte der Leverkusener. «Ich stelle sehr große Hoffnung im Team fest. Wir wollen diese Chance ergreifen», sagte der angeschlagene Tomáš Rosický. Die positive Reaktion auf die deprimierende Schlappe zum EM-Auftakt gab dem Team den Glauben an die eigene Stärke zurück. Kadlec strotzt vor Selbstvertrauen: «Ich denke, die Konstellation liegt uns. Wir lassen die Polen das Spiel machen und gewinnen.»

Allerdings ist fraglich, ob der beim 2:1 gegen Griechenland starke, aber nach 45 Minuten ausgewechselte Rosický fit wird. «Ich glaube immer noch, daß er spielen kann. Aber wenn nicht, haben wir Alternativen», sagte Trainer Michal Bilek über seinen Starspieler, der wegen erneuter Beschwerden an der Achillessehne auch nicht am Abschlußtraining am Freitagabend teilnehmen konnte. «Es wird besser. Wir haben aber entschieden, daß ich nicht trainiere und bis morgen warte. Wir hoffen, daß es noch besser wird und werden dann entscheiden», sagte der frühere Dortmunder am Freitagabend.

Zur Erleichterung des in die Kritik geratenen Trainers meldete sich immerhin der angeschlagene Petr Čech rechtzeitig zurück. Der Schlußmann des FC Chelsea hatte in der Partie gegen Griechenland trotz seiner Schmerzen in der Schulter bis zum Schlußpfiff durchgehalten. Damit könnte es zu einem interessanten Torhüter-Duell mit Wojciech Szczęsny (FC Arsenal) kommen. Beide Keeper stehen bei Clubs aus London unter Vertrag.

Obwohl Ersatz Przemysław Tytoń zuletzt überzeugte und bei den Fans höher im Kurs steht, scheint Polens Nationalcoach Smuda eine Rückkehr des Rotsünders Szczęsny zu favorisieren. Am Abend vor dem Match wollte Smuda sich noch nicht in die Karten schauen lassen. «Ich definitiv nicht», war das einzige, was sich der Coach auf die Frage entlocken ließ, wer das Tor hüten werde.