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Nach dem 6. Spieltag: Spitzenreiter ist ein öffentlich geförderter wirtschaftlicher Notfall

Posted by on 30. September 2008

MRZ 30.9.2008

Zweitliga-Abpfiff
Von Reinhard Rehberg

Der 1. FC Kaiserslautern hat gerade sein fünftes Spiel in Serie gewonnen. Nach sechs Spieltagen führen die Pfälzer die Tabelle in der Zweiten Liga an. Mit 16 von 18 möglichen Punkten. Die zwei Zähler, die das Team von Trainer Milan Šašić hat liegen lassen, die stammen vom 3:3 zum Saisonstart am Mainzer Bruchweg. Respekt. Das nennt man einen kapitalen Erfolg.

Und wenn die aktuelle Entwicklung konstant bleibt, dann werden sich im Aufstiegsrennen der FCK und der Tabellenzweite FSV Mainz 05 möglicherweise einen spannenden Derby-Zweikampf liefern in dieser Saison.

Da taucht wieder die spannende Frage auf, wie es der FCK geschafft hat, binnen eines Transfersommers vom Abstiegskämpfer mit Rettung in letzter Minute zu einem Liga-Überflieger zu avancieren, der den sportlich und wirtschaftlich gut aufgestellten Klub in der Landeshauptstadt lässig herausfordert.

Rufen wir uns in Erinnerung, daß es sich am Betzenberg um einen wirtschaftlichen Notfall handelt. Die Stadt Kaiserslautern verzichtet bekanntlich auf 1,4 Mio. Euro Stadionmiete. Diesen Ausfall im Haushalt federt der rheinland-pfälzische Landtag ab mit einem Zuschuß von 575 000 Euro – das ist bewilligt und gestern von Finanzminister Ingolf Deubel öffentlich gemacht worden, mit dem Zusatz, das könne auch für 2009/10 gewährleistet werden.

Man könnte die nach der Legende Fritz Walter benannte Arena am Betzenberg mit einiger Berechtigung umtaufen in “Kommunales-staatliches Stadion der Stadt Kaiserslautern und der rheinland-pfälzischen Landesregierung”.

Und der FCK, dem es dieser massive Mietnachlaß ermöglicht hat, sieben der neun Zugänge aus der Bundesliga zu rekrutieren, und der damit diese erstaunliche Qualitätssteigerung auf den Weg gebracht hat, könnte als mit öffentlichen Mitteln gefördertes Vorzeigeprojekt dargestellt werden: Ein Not leidendes Unternehmen wird aufgepäppelt mit der Idee einer strukturellen Wirtschaftsförderung in einer benachteiligten Region.

Diesen Zusammenhang stellt aber niemand mehr her, seit der all seine Netzwerke nutzende Vorstandsvorsitzende Stefan Kuntz in den Medien eine intensive PR-Kampagne geritten hat. Dazu gehörten auch Anrufe bei Arbeitgebern, die kritisch hinterfragende Journalisten beschäftigen.

Daß Stadt und Land den Klub 2003 schon mal komplett entschuldet hatten, daß der Klub damals schon mal eine Anschubfinanzierung von 18 Millionen Euro erhalten hatte, daß sich der Klub danach erneut in die Krise manövriert hat mit hemmungslos überzogenen Gehältern und einem insgesamt unrühmlichen Finanzgebaren selbstherrlicher Funktionäre, das hört man am Betzenberg nicht gerne. Kuntz argumentiert, diese Förderung mit öffentlichen Mitteln stehe dem FCK zu, habe der Klub doch in zehn Jahren mehr als 700 Mio. Steuern abgeführt.

Daß dieses Steueraufkommen vor allem resultierte aus den überzogenen Millionengehältern – die den FCK in die Krise geführt haben, neben dem überzogenen WM-Stadion-Projekt – das wird ebenso verschwiegen wie die Tatsache, daß der größte Anteil, die Lohnsteuer, überall landet, nur nicht im Haushaltssäckel der armen Stadt Kaiserslautern. Davon abgesehen: Wer mehr Steuern zahlt, der hat von der öffentlichen Hand auch mehr zu erwarten – diese Gleichung muß neu sein.

Dem 1. FC Kaiserslautern sei der aktuelle sportliche Erfolg gegönnt. Es ist keine Selbstverständlichkeit, nach dem Einkauf von sieben Bundesligaspielern umgehend an die Tabellenspitze zu schießen. Dahinter steckt gute Arbeit. Aber eben auch: viel Geld von Stadt und Land. Zwei fußballverrückte Gönner, und das ist erstaunlich, denen bislang überhaupt keine Fanproteste entgegen schlagen – so wie dem großzügigen Hoffenheimer Mäzen Dietmar Hopp.

Mag sein, daß da längst die Furcht umgeht, auch die kritische Betrachtung der Vorgänge am Betzenberg könnte demnächst die Staatsanwaltschaft interessieren.

Stellen wir uns ein Stadionplakat vor mit dem Spruch “Der FCK ist ein öffentlich geförderter Aufstiegsanwärter”, darunter ein stilisiertes Fadenkreuz, in dem Ministerpräsident Kurt Beck seinem Freund Stefan Kuntz ein paar Scheine rüberschiebt – und schon setzt es eine Anzeige und der DFB ermittelt. Die Mainzer Fastnachtsredenschreiber seien jetzt schon gewarnt – keine Witze über den FCK und Hopp!