Hoffenheim, fünf Millionen Euro und ein Pilz

Bald Mädchenfußball beim FSV?

Bald Mädchenfußball beim FSV?

Schon wieder kein Tor. Jetzt konnte ich zwei Heimspiele der 05er in der Bundesliga sehen – und warte noch immer auf dieses wunderbare Gefühl, die Arme jubelnd in die Luft zu recken, meinen Stehnachbarn um den Hals zu fallen und anschließend den Narhalla-Marsch zu intonieren. Und warum? Weil sich die Hannoveraner geweigert haben, offensiv viel zuzulassen – und weil anschließend der Dämlack von Zambrano unserm Supersamurai natürlich unabsichtlich, wie er selbst in der AZ betont hat, auf die Wade steigt, wodurch der arme Shinji nicht am Heimspiel gegen Hoffenheim teilnehmen kann. Gut, Christian Heidel hatte sicher nicht unrecht, als er nach dem Spiel gegen die TSG sagte, man könne auch nicht mit Fug und Recht behaupten, Hoffenheim mit 3:0 nach Hause geschickt zu haben, hätte Okazaki spielen können. Nichtsdestotrotz: Bei dem Lauf, den der Japaner derzeit hat, wäre zumindest die Wahrscheinlichkeit, dass die 05er ein Tor schießen, ungleich höher gewesen als ohne ihn. Die anderen mühten sich zwar ab, am Ende durfte sogar unser Mini-Argentinier mittun – am Ergebnis änderte das allerdings nicht.

Auf der Habenseite lassen sich immerhin nun drei Heimspiele in Folge ohne Gegentor vermerken – das ist umso erstaunlicher, wenn man bedenkt, dass man gegen den Drittligisten aus Chemnitz in ähnlicher Besetzung in der Defensive noch fünf Stück bekommen hat (die zugegebenermaßen zum Teil auf höchst absurde Weise fielen). Festzuhalten bleibt: Die defensiven Mechanismen greifen mehr und mehr, Kasper Hjulmands Arbeit trägt bereits jetzt Früchte – und die Überzeugung von vielen Fans in die Fähigkeiten des Dänen wächst exponentiell.

10 Punkte nach sechs Spielen, darunter bereits ein Heimsieg gegen den BVB und ein schöner Auswärtserfolg bei der Berliner Hertha – dazu ordentliche Spiele gegen Hannover, Hoffenheim und Frankfurt. Und selbst das 2:2 in Paderborn, über das sich viele zunächst noch aufgeregt hatten, wurde durch die anderen Ergebnisse des Aufsteigers zum Saisonstart deutlich aufgewertet.

In Gladbach am Wochenende hängen die Trauben ziemlich hoch, wie man so schön sagt. Die Borussia ist heimstark, hat exzellente Offensivspieler – und selbst das sicher kräftezehrende Spiel in Zürich heute Abend sollte sich nicht so gravierend auf die Leistungsfähigkeit auswirken – zumal man mit Raffael und Kramer zwei wichtige Spieler schont, die derzeit leicht angeschlagen sind.

Aber noch mal zurück zur „Habenseite“: Da wurden am Montagabend durchaus beeindruckende Zahlen verkündet. Während andernorts Vereine regelmäßig mit einem dicken Minus abschließen, Präsidenten in Kampfabstimmungen gewählt werden und in schöner Regelmäßigkeit ein Eklat den nächsten jagt, geht es bei den Mitgliederversammlungen von Mainz 05 zu wie im Teletubbie-Land. Wenn ein vermeintlicher Antrag für ein komplett rauchfreies Stadion die meisten Emotionen hervorruft, dann spricht das Bände.

Die 21 Gegenstimmen für den Alt- und Neupräsidenten Strutz… Naja, man weiß, aus welcher Ecke die kommen. Und auch wenn ich die Abneigung gegen Erich… ähm… Harald S. durchaus inhaltlich nachvollziehen kann, muss man ja anerkennen, dass in seine Präsidentschaftszeit die erfolgreichsten Jahrzehnte des FSV fallen. Frommer Wunsch meinerseits: Einfach schweigen, wenn Themen aufs Tableau kommen, von denen man keine bis wenig Ahnung hat. Und bitte jedem selbst überlassen, „was Mainz 05 ist“ und was nicht (hach, das wollte ich schon seit geraumer Zeit mal loswerden).

Was kann man noch aus der Versammlung mitnehmen? Entega verschwindet zwar vom Trikot, bleibt aber im Sponsoren-Pool drin. Die Zusammenarbeit mit einem Großinvestor wird es nicht geben, dafür aber möglicherweise in ferner Zukunft eine mit den Mädels vom TSV Schott. So ab 2018 wäre super – dann kann mein Töchterlein direkt beim kickenden Personal des FSV angemeldet werden. Einen guten linken Schuss hat sie schon!

Und zum Schluß: Der Mainzer Rasen hat einen Pilz und muss ausgetauscht werden. Dazu passend mein Lieblingswitz, der in Schriftform natürlich nicht funktioniert: Steht ein Pils im Wald. Kommt ein Mann und trinkt’s aus.

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Didis Spielzeugeisenbahn ist nur noch auf Platz 2 der „Hass-Objekte“

 

Ein bisschen Brechreiz bleibt (Quelle: smalltownboy, Wikicommons)

Ein bisschen Brechreiz bleibt (Quelle: smalltownboy, Wikicommons)

Über viele Jahre war die TSG Hoffenheim Hass-Objekt Nummer eins für die traditionsbewussten Fußballfans. Da kommt ein Dorfverein, gepimpt mit X Millionen eines gelangweilten Millionärs, der früher mal zufällig in dessen Jugend gekickt hat, daher, kauft als Zweitligist mal eben für 20 Millionen Spieler ein, lässt gegnerische Fans mit Störgeräuschen beschallen, wenn diese ihm unliebsame Gesänge anstimmen und bezichtigt unter anderem 05-Manager Christian Heidel des Rassismus, nur weil der Hopps Projekt nicht jene Huld entgegenbringt, die dem SAP-Millionär von anderen Schulterklopfern und Speichelleckern entgegengebracht wird.

Das ist jetzt zwar schon ein paar Jahre her, aber noch immer zeigen die Fans bundesweit der TSG ihre Abneigung in Form von eindeutigen Gesängen und Plakaten. Dass der „Hass-Pegel“ dennoch ein wenig abgesunken ist, hat auch damit zu tun, dass im schönen Leipzig ein anderes Projekt noch deutlich schlimmer zu Werke geht als dies bislang bei der TSG der Fall war. In Leipzig hat sich der Red Bull-Konzern seinen eigenen Verein geschaffen, nennt sich offiziell ganz seriös „RasenBall“, doch weder im Logo noch in sonstigen Devotionalien verhehlt man die bevorzugte Bezeichnung „Bullen“. 800 Euro Jahresbeitrag, kein Mitspracherecht für Vereinsmitglieder – die Liste der Gründe, warum dieses Projekt so unfassbar eindeutig einfach nur ein Marketingwerkzeug für die widerliche Zuckerplörre ist, ist endlos. Die 11Freunde haben sich dem Thema schon ausführlich angenommen, selbst der DFB musste zwischenzeitlich mal kurz den Zeigefinger erheben – allerdings ohne Konsequenz, denn sonst wäre dieses Konstrukt wohl längst wieder aufgelöst und verschwunden.

Aber zurück zur TSG, die angesichts der Machenschaften von RB ja mittlerweile fast schon sympathisch daherkommt. Starke Mannschaft, mit Adam Szalai und Eugen Polanski zwei Ex-05er im Kader, dazu ein augenscheinlich fähiger Trainer, der weniger auf große Namen setzt als auf ein funktionierendes Kollektiv – auch wenn man natürlich Spieler wie Szalai, aber auch Volland und Firminho sicher bei den meisten anderen Vereinen in der Bundesliga nicht bezahlen könnte, ohne Europapokal und ein volles Stadion.

Aber sei’s drum. „Didi“ hält sich in der Öffentlichkeit mittlerweile zum Glück weitestgehend zurück und überlässt das Wirken den sportlich Verantwortlichen. Selbst Tim Wiese, lange Zeit ja ein mehr als passables Beispiel für die vollkommen verfehlte und verquerte Einkaufspolitik in Sinsheim, taugt nicht mehr als Spottobjekt, seit er sich (dank eines fetten Auflösungsvertrages) mit dem Gedanken trägt, beim Wrestling einzusteigen.

Was machen wir also mit der TSG? Packen sie in die Schublade zu Wolfsburg und Leverkusen – mit der Hoffnung, dass Herr Hopp vielleicht doch irgendwann die Lust am Profifußball verliert und Hoffenheim nur noch in der zweiten oder dritten Liga nervt.

Das übrigens wäre mehr als möglich gewesen, wenn der BVB vor nicht allzu langer Zeit in der Lage gewesen wäre, die damals sportlich am Boden liegende SAP-Betriebsmannschaft mit Verve in die zweite Liga zu schießen. Schönen Dank, Herr Klopp! Das war wirklich ein „epic fail“!

;)

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Wechselduschen im Herbst

Sebastian Kneipp, the Godfather of Wechselduschen

Sebastian Kneipp, the Godfather of Wechselduschen

Wikipedia weiß: Unter einer Wechseldusche versteht man das mehrfach abwechselnde Duschen mit warmem und kaltem Wasser, eine Art vereinfachte Hydrotherapie nach Kneipp. Das Ganze soll belebend wirken, man soll deswegen im Winter weniger schnell frieren, die Haut wird gestrafft und niedriger Blutdruck erhöht. Soweit die Theorie.

 

In der Praxis war das Spiel in Frankfurt zwar durchaus auch mit Wechselduschen zu vergleichen – eine nachhaltig belebende Wirkung konnte ich allerdings nicht beobachten. Eben freut man sich noch wie ein Schneekönig über eine 1:0-, kurz darauf sogar 2:0-Führung, um dann mit dem Pausenpfiff zerknirscht das Anschlusstor des Alexander Meier mitansehen zu müssen. Der scheint jedenfalls mittlerweile auf eine zweite Karriere als „Zlatan Ibrahimovic“-Double zu setzen. Allein: Weder Look noch fußballerische Klasse dürften für einen Platz auf dem Treppchen reichen. Höchstens im Bereich Unsportlichkeit ist er schon nah dran an seinem Vorbild, der mehr als nur angedeutete Ellenbogenschlag gegen Junior Diaz hätte manchem Schiri gereicht, ihn vom Platz zu komplimentieren. Allein die Tatsache, dass Diaz außer einem ausgestreckten Zeigefinger nichts daraus machte, ließ Meier auf dem Platz.

Allerdings: Wenn man überlegt, was Herr Zambrano so alles auf dem Feld veranstalten – und, wie Kasper Hjulmand nachher überrascht feststellte – trotzdem 90 Minuten auf dem Platz stehen dürfte, dann dürfen an der Sehkraft des Schiedsrichters doch berechtigte Zweifel geäußert werden.

Aber zurück zu den Wechselduschen. In der zweiten Hälfte ging es lange hin und her – bis man als 05er wieder jubeln durfte. Doch auch hier kam die kalte Dusche sofort nach der heißen. Den wohl berechtigten Elfmeterpfiff nahm der Schiedsrichter nach eingehender Intervention durch die fehlentscheidungsgeplagten Frankfurter zurück, nach Rücksprache mit dem Linienrichter, der zuvor allerdings gar kein Vergehen eines 05ers angezeigt hatte…

Merke: Freue Dich nie über einen Elfmeter, bevor der Ball im Netz ist und der Schiedsrichter wieder zum Mittelkreis gezeigt hat. Sonst könnte der Fußballgott sein ganz mieses Spiel mit Dir treiben!

Kalte Dusche, die dritte: Nach einem Freistoß, der gefühlt 10 Minuten in der Luft ist, kommt Eintracht-Stürmer Seferodinges vollkommen frei zum Kopfball und versenkt das Leder im langen Eck. Keine Chance für den aufmerksamen Karius, wobei die Frage gestattet sein muss: Wo waren die 05-Innenverteidiger in diesem Moment mit ihren Gedanken?

Das 2:2 wäre nicht so schlimm gewesen, hätte der beim 1:0 höchst effiziente Jonas Hofmann auch seine zweite dicke Chance verwandelt. Doch dieses Mal scheiterte er an Kevin Trapp. Dass (erneut) Alex Meier kurz vor Schluss fast noch das 3:2 erzielt hätte, es wäre die vollkommen unverdiente „Krönung“ eines höchst abwechslungsreichen, aber auch mit viel Ärger verbundenen Abends gewesen. Bliebt zu hoffen, dass die 05er den Derbysieg im Rückspiel nachholen.

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Während Du schliefst

Links Kasper Hjulmand, rechts Sandra Bullock

Links Kasper Hjulmand, rechts Sandra Bullock

Ich war nicht dabei. Nicht im Stadion, nicht mal live vor dem Fernseher, weil die kleine Madame das „Zu-Bett-Bring“-Ritual um 20 Minuten verlängerte. Als ich dann gegen 20:30 Uhr endlich wieder vor dem TV sitzen konnte, blieb mir nichts anderes übrig, als ungläubig auf jenes Ergebnis zu starren, was da rechts oben bei Sky eingeblendet war. Mainz 05 – Borussia Dortmund 2:0.

Das muss wohl ein Fehler sein, dachte ich – zunächst. Dann machte sich eine Gefühlsmischung breit, die man schwer beschreiben kann. Auf der einen Seite große Freude darüber, dass man den „Bock BVB“ endlich mal wieder umgestoßen hat, auf der anderen Seite tiefe Trauer, bei diesem sicher historischen Spektakel nicht dabei gewesen zu sein.

Wie es Wortpiratin Mara in ihrem Blog so wunderbar beschrieb:

„Es gibt diese Spiele. In denen Karrieren von Akteuren entschieden werden. In denen ein Stadion lange nach der offizielen Eröffnung seine Einweihung feiert. In denen Kickern etwas schlicht Unvergessliches gelingt. Spiele, von denen du weißt, es sind solche für die Ewigkeit – und ja, das fühlt sich so pathetisch an, wie es klingt. So ein Spiel haben die 05er an diesem Abend erlebt.“ (Link: http://www.wortpiratin.de/blog/?p=1473)

Mit größerer Verspätung habe ich mir dann doch noch die komplette zweite Halbzeit anschauen können – und kann, auch nach Rücksprache mit anderen Fans, die das Spiel im Stadion gesehen haben, ihr nur beipflichten. Unvergessliches war geschehen, der Kasper seine Feuertaufe mit Bravour bestanden, die Fans wieder sehr viel näher an das Team, an den ganzen Verein herangerückt, alle irgendwie rundum zufrieden, glückselig. Was man auch am höchst geringen Posting-Aufkommen im Kigges-Forum ablesen kann. Wo sich sonst Zetterer und Motzer über schlechte Einkäufe, falsche Taktiken, hohe Bierpreise, kalte Würste und peinliche Ultras aufregen… ist Stille. Die Szenerie wird beherrscht von der schreibenden Zunft, die haarklein darlegt, warum das gegen den BVB so klappen konnte, warum unsere Neuen allesamt irgendwie ziemliche Granaten sind, und warum Jürgen Klopp irgendwann sogar kurz die Gesichtszüge entglitten sind (passiert ja sonst nie!).

Später mal, wenn mich meine Tochter (dann hoffentlich selbst glückselige und fanatische 05erin) fragt, wann unser Kasper (gerade zum zweiten Mal vom Kicker zum Mann des Jahres gewählt) eigentlich in Mainz so richtig angekommen ist, werde ich ihr sagen: Es war, während Du schliefst.

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Tellerrand: Blick nach Hamburg

Logo Hamburger SV

Eigentlich hätte man problemlos die Uhr danach stellen können, dass der Name Thomas Tuchel nach nur wenigen Spieltagen in den aktuell beliebtesten Spekulationsbörsen des Internets (Fanforen von Schalke und dem HSV sowie Transfermarkt.de) auftauchen würde. Alles, was dazu nötig war, kann man längst in der Tabelle ablesen: Der Hamburger SV ist letzter, Schalke auf Tabellenplatz 16. Beide haben bislang nur einen Punkt errungen – der HSV bis jetzt nicht mal ein Tor erzielt. Aber wäre in beiden Vereinen ein Trainerwechsel das einzige Mittel der Wahl? Sind diese Tabellenstände nicht mehr als eine kleine Momentaufnahme?

Beim genaueren Hinsehen kann man nämlich feststellen, dass es handfeste Gründe dafür gibt, dass die Vereine aktuell unten stehen – und die sitzen nicht auf der Trainerbank.

Blick nach Hamburg

Der HSV, der sich gerne und immer noch als der letzte Dino der Bundesliga feiert, der seine Uhr hegt und pflegt und gefühlt eigentlich jedes Jahr um die Europapokalplätze spielen müsste, hat eine Saison hinter sich, an dessen Ende der (freundlich formuliert) mehr als glückliche Klassenerhalt stand. Medien wie Fans sprechen nun bereits davon, der HSV mache genau da weiter, wo er in der vergangenen Saison aufgehört hat. Ergebnistechnisch mag das stimmen, das Spiel zu Hause gegen Paderborn dient zudem vielen als praktisches Exempel, um die Mission von Mirko Slomka bereits jetzt für gescheitert zu erklären. Schaut man sich den Kader an, so wurde zumindest an einigen Stellschrauben gedreht. Es gab mehr Geschwindigkeit für die Offensive (Stieber, Müller), auch als Entlastung für Heilsbringer Van der Vaart, man holte einen überdurchschnittlichen Außenverteidiger für die wackelige Abwehr (Ostrczolek aus Augsburg), dazu einen (allerdings gänzlich unbekannten) Brasilianer als Innenverteidiger. Beide sollten sicher nicht nur Westermann und Jansen (immerhin Nationalspieler) unterstützen, sondern ihnen auch etwas Feuer unterm Hintern zu machen. Als Last-Minute-Neuzugang kam dann noch Lewis Holtby, der allen 05-Fans in bester Erinnerung ist. Abgegeben hat man (auch aus finanziellen Gründen und aufgrund des unmöglichen Verhaltens des Spielers) Calhanoglu, dessen Kreativität und Genialität bei Standardsituationen dem HSV als Waffe derzeit sicher fehlt.

Probierte es Slomka an den ersten beiden Spieltagen vor allem mit dem bekannten Personal (auch, weil die Neuen noch nicht fit/integriert waren), so setzte er nun in Hannover auf gleich sieben Neue inklusive Torhüterwechsel. Gebracht hat es wenig – wenn man sich das Endergebnis anschaut. Doch war der HSV in Hannover weit entfernt von einer „zweitligareifen“ Leistung. Die Chancenverwertung stand den „Rothosen“ im Weg, für die bei „normalem“ Spielverlauf mindestens ein Punkt drin gewesen wäre. Wer aber das leere Tor nicht trifft oder selbst beste Chancen auslässt – und zudem in der Abwehr Konzentrationsfehler macht, die bitter bestraft werden, der verliert in der Bundesliga.

Was wäre los gewesen, wenn die 05er nicht so effizient in Berlin gewesen wären? Am Ende hätte man womöglich 1:1 gespielt oder unglücklich verloren. So aber macht man aus vier Großchancen drei Tore und fährt mit gesteigertem Selbstbewusstsein und einem Dreier nach Hause.

Unaufgeregt und ohne Fanbrille kann man festhalten, dass der HSV eine auf dem Papier ordentliche Truppe beisammen hat, die unter normalen Umständen nichts mit dem Abstieg zu tun haben sollte. Für mehr wird’s sicher nicht reichen, aber das sollte in der aktuellen Situation auch nicht der Anspruch sein. Das Problem: In Hamburg lechzen die Fans nach den Erfolgen der Vergangenheit, müssen die Medien ihre Blätter verkaufen – und die verkaufen sich besser mit dicken Schlagzeilen über den havarierten Tanker HSV als über seriöse Auseinandersetzungen mit den aktuell bekannten Fehlerquellen.

Man möchte Mirko Slomka wünschen, dass er endlich einmal in Ruhe arbeiten kann, dass er gemeinsam mit seinem neu strukturierten Team die Chance erhält, in Hamburg langfristig etwas aufzubauen. Doch angesichts der dortigen Medienlandschaft, eines höchst mitteilsamen Milliardärs im Hintergrund, der sich gerne mal seinen Lieblingsspieler gönnt – und auch angesichts der „Last der Vergangenheit“ ist (aus HSV-Fansicht) zu befürchten, dass dies nicht möglich sein wird. Womit wir wieder bei Thomas Tuchel wären: Der wird sich sicherlich im Klaren darüber sein, dass „Hamburg“ und „in Ruhe arbeiten“ derzeit – und sicher auch mittelfristig – nicht zusammenpassen. Und ob der (Noch-)05-Angestellte sich freiwillig in den Vorhof der Hölle begibt, nachdem er schon in Mainz mit den regionalen Medien, die im Vergleich mit den Hamburger Zeitungen fast zahm wirken, seinen Kampf hatte, das mag doch in höchstem Maße bezweifelt werden.

Übrigens: Bei SkySportNews ergeht sich der HSV-„Experte“ schon in der Aussage, Thomas Tuchel beschäftige sich nicht nur mit dem HSV, sondern auch mit den anderen Optionen Schalke und Leipzig – die Worte „offenbar“ und „scheinbar“ werden dabei bis zum Exzess ausgereizt. Die ärmste Sau dabei? Thomas Tuchel, der dem ganzen Medienwirbel nichts entgegenzusetzen hat, der hilflos mitansehen muss, wie Kollegen mit seinem Namen konfrontiert werden.

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Huch, gewonnen!

Spieler und Fans feiern nach dem 3:1-Sieg in Berlin (Quelle: Rheinhessen-on-Tour.de)

Spieler und Fans feiern nach dem 3:1-Sieg in Berlin (Quelle: Rheinhessen-on-Tour.de)

Effizient ohne Ende, dazu defensiv bis auf ganz wenige Ausnahmen höchst stabil, mit Druck und frischem Schwung durch die Einwechslspieler – der Auswärtssieg in Berlin ließ fast keine Wünsche offen. Nicht nur, dass Rückkehrer Sami Allagui wieder „sein“ Tor machte, er und Jonas Hofmann brachten den zuletzt vermissten Schwung auf den offensiven Außenpositionen, entlasteten so Koo, banden Okazaki gut ins Spiel ein. Und in der Defensive räumten Bungert, Bell, Brosinski und Junior Diaz im Verbund alles ab, was sich dem Mainzer Tor näherte. Die Schlagzeilen a la „Hjulmand vor dem Aus“ und Co. darf der Boulevard also erst einmal in der Schublade ganz hinten ablegen.

Die fünf Spieler aus dem „Schlußverkauf“ fanden nicht vollzählig den Weg in die Startelf, was allerdings auch eine Überraschung gewesen wäre. Neben Hofmann und Allagui (Startelf) schaffte es Wollscheid immerhin auf die Bank (und kam kurz vor Schluss zu seinen ersten Minuten im 05-Trikot), Jairo durfte als 19. Spieler zumindest mitreisen und etwas Ligaluft schnuppern, wenn auch ohne Chance auf einen Einsatz. De Blasis blieb zu Hause.

Das Spiel selbst war sicher nichts für Fußballfeinschmecker, vor allem in der ersten Hälfte bestimmte die Taktik das Geschehen, Chancen auf beiden Seiten Mangelware, sieht man von ganz wenigen Ausnahmen (Kopfball Allagui, Chance Schieber) ab. So hätten Reporter sicher von einem typischen 0:0-Spiel gesprochen, wenn Shinji Okazaki nicht nach Doppelchance für Koo (nach schöner Vorarbeit durch Diaz) den Abstauber versenkt hätte.

Halbzeit zwei bot ein ähnliches Bild, Hertha agierte nun zwar deutlich offensiver und druckvoller, allerdings ohne die letzte Konsequenz. Da die Abwehr sehr gut verteidigte, verlebte Karius einen recht entspannten Nachmittag. Die wenigen Aktionen des Mainzer Torhüters beschränkten sich auf das Abfangen oder Wegfausten von Flanken und Eckbällen. Das machte er recht souverän. Einzige Ausnahme: in der ersten Hälfte machte er einen Neuer-schen Ausflug aus dem eigenen 16er, ohne allerdings den Ball weit genug zu klären. Der zurückgeeilte Stefan Bell klärte für den absenten Torhüter den folgenden Berliner Weitschuss allerdings ohne große Probleme.

Als sich auf Seiten der Berliner nach etwas mehr als einer Stunde mit Salomon Kalou ein Championsleague-Sieger von 2012 gerade auf dem Feld breitmachen wollte, schlug wieder einmal die Stunde von Sami Allagui.

Nach einer exzellenten Kombination über Baumgartlinger, Malli und Hofmann landete der Ball beim hinterlaufenden Diaz, dessen scharfe Hereingabe nahezu parallel zur Torlinie vom Neu-05er über die Linie gegrätscht wurde. Einen Torjubel verkniff sich der Tunesier aus Respekt vor den Ex-Kollegen, mehr als nur Genugtuung dürfte er innerlich allerdings empfunden haben angesichts des Vertrauensentzuges durch Hertha-Trainer Luhukay.

Nach dem 0:2 war das Spiel eigentlich durch, doch als 05-Fan weiß man, dass auch Zwei-Tore-Vorsprünge kurz vor Schluss nichts heißen wollen. Die schmerzhaften Erfahrungen sind zu zahlreich, um sie hier noch einmal aufzuführen.

Jedenfalls durften die Herthaner dank eines „Kann“-Elfmeters (einen Schuss von Ben Hatira bekam Niko Bungert aus gefühlt einem Meter an den vom Schützen abgewandten Arm) noch mal auf 1:2 verkürzen und weckten so das schon tief schlummernde Stadion.

Doch im Gegensatz zu früher begannen die 05er nun nicht zu schwimmen, Kasper Hjulmand verstärkte mit Wollscheid die Defensive, man suchte weiter den Weg nach vorne, zog so einige Freistöße und nutzte einen perfekten Konter über Moritz, Malli und Okazaki zum 3:1.

Erleichterung, Freude, Genugtuung – die Empfindungen von Spielern, Trainer-Team und Fans durfte eine Mischung aus allem gewesen sein. Erleichterung darüber, dass vor den schweren Aufgaben gegen Dortmund, Frankfurt und Hoffenheim ein Dreier eingefahren wurde. Freude über nun fünf Punkte aus drei Spielen – und Genugtuung über die Tatsache, dass die drohende „Krise“, die man dem Verein schon angedichtet hatte, frühzeitig im Keim erstickt wurde.

Nach einer kompletten Trainingswoche mit dem gesamten Kader kommen dann drei Flutlicht-Spiele in Folge. Zuerst steht nächsten Samstag das Duell mit dem BVB an, dann geht’s dienstags nach Frankfurt, ehe freitags die TSG Hoffenheim im Stadion am Europakreisel erwartet werden. Ein strammes Programm für die im Umbruch befindliche Mannschaft, das aber auch die Chance bietet, eine mögliche Niederlage innerhalb kürzester Zeit vergessen machen zu können.

Wenn sich selbst zuletzt überkritische Schreiber wie der Kollege von der AZ dazu genötigt sehen, von einem „taktisch glänzend eingestellten Team“ zu schreiben, dann will das was heißen.

Der FSV mag vor einer schweren Saison stehen, die vor allem unter der Überschrift „Umbruch“ firmiert. Das soll uns Fans aber nicht daran hindern, uns über jeden Sieg, jeden verdienten (und auch jeden glücklichen) Punkt zu freuen – und uns bei Niederlagen nicht lange zu grämen. Getreu dem Motto: Es gibt immer ein nächstes Spiel – und die Saison ist noch verdammt lang!

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